Tierchips für Haustiere mit Ländercode 276 entsprechen nicht der ISO-Norm

11.12.2012

In diesem Schreiben wird der Tierarzt aufgefordert, einen Chip mit Herstellercode durch einen Chip mit Ländercode 276 (Deutschland) zu ersetzen. In der ISO-Norm ist aber festgelegt, dass die drei ersten Zahlen entweder aus einem Herstellercode ODER aus einem Ländercode bestehen. Der Ländercode kann nur durch eine staatliche Stelle mit einer zentral verwaltete Datenbank vergeben werden. In Deutschland wird diese Datenbank nur für Rinder geführt. Insofern verhalten sich die Hersteller mit einem Ländercode regelwidrig. Wir haben das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zur Klarstellung aufgefordert.

Nachtrag vom 04.1.2013: Die deutsche Vertretung beim ICAR hat reagiert:

Bonn, 31. Dezember 2012
Stellungnahme:
Transponder zur Tieridentifikation
ISO 11784 – Herstellercode – Ländercode
ICAR (= Internationales Komitee für Leistungsprüfungen in der Tierproduktion) ist die von ISO beauftragte Registrierungsstelle für anerkannte elektronische Identifikationssysteme, die den ISO Normen 11784 und 11785 entsprechen. Für die hierfür notwendigen Tests beauftragt ICAR akkreditierte Testinstitute.
Die ISO Norm 11784 legt die Codestruktur der Transponder fest. In dieser Struktur geben die Bits 17 bis 64 die 15 Stellen für einen weltweit einmaligen Code vor. Hiervon sind die ersten
drei Stellen für den Hersteller- oder Ländercode (ISO Norm 3166) und die folgenden 12 Stellen für die Tieridentifikation oder nationale Identifikation.
Beantragt ein Hersteller für einen Transponder die ISO Anerkennung nach den Normen 11784 und 11785, so wird ihm bei bestandenem Test für diesen Transponder ein Nummernblock zugeteilt. Die einzelnen Nummern umfassen 15 Stellen, von denen die ersten drei den ihm zugewiesenen Herstellercode repräsentieren. Dies ist konform zu der im vorherigen Absatz beschriebenen Codestruktur.
In der ISO Norm 11784 ist vorgegeben, dass es in der nationalen Verantwortung liegt, dass
die Einmaligkeit eines nationalen Identifikationscode sichergestellt ist (Sicherstellung der Nachverfolgbarkeit). Solange ein Land kein Verfahren für die Zuteilung und Registrierung
dieser Codes hat, ist anstatt des Ländercodes der Herstellercode zu verwenden. Dies soll die weltweite Einmaligkeit des Codes sicherstellen.
Für Deutschland ist ein System der zentral überwachten Zuteilung und Registrierung beispielsweise für Rinder und Pferde (= Einzeltierkennzeichnung) eingerichtet. Dagegen verfügt Deutschland für Heimtiere nicht über eine solche zentrale Zuteilungs- und Registrierungsstelle. Wenn ein Hersteller für die Kennzeichnung eines Hundes in Deutschland einen Transponder dahingehend codiert, dass dieser den Ländercode beinhaltet, verstößt er gegen die beschriebenen Vorgaben. Diesen Vorgaben hat sich im Übrigen der Hersteller mit der Anmeldung zum Test auf ISO 11784/11785 Konformität unterworfen.
Dr. Folkert Onken
Deutscher Vertreter beim
ICAR Sub-Committee Animal Identification